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Beata Wasilewski urodzona w 1983 roku w Innsbrucku w rodzinie polskich imigrantow, po zdaniu matury w jednym z liceów ogólnokształcących w Innsbrucku, rozpoczęła studia dziennikarskie na uniwersytecie we Wiedniu. Od 2004 roku współpracuje ze studencką gazetą "Zündstoff". Poniżej zamieszczony artykuł ukazał się w majowym numerze gazety. 

Beata Wasilewski wurde im Jahre 1983 in Innsbruck in der Familie Polnischer Imigranten geboren. Nach der Matura in einem Innsbrucker Gymnasium begann sie ihr journalistisches Studium an der Universität in Wien. Seit dem Jahre 2004 arbeitet sie in der Redaktion der Studentenzeitung "Zündstoff" mit. Der hier veröffentlichte Artikel erschien in der Maiausgabe der Zeitung.

 

PAPSTWAHL IN DEN MEDIEN

„MEINE MEINUNG STEHT FEST, VERWIRREN SIE MICH NICHT MIT TATSACHEN“ 

Am 18. April 2005 trafen in Rom alle stimmberechtigte Kardinäle zusammen, um der Frage nachzugehen, wer von den 12 Kandidaten den Platz des Nachfolgers von Johannes Paul II  einnehmen und somit in den Apostolischen Palast ziehen dürfe. Die Papstwahl vollzog sich - wie man vermutet – in nur fünf bis sechs Durchgängen und bereits nach 26 Stunden stieg weißer Rauch aus dem Kamin, welcher signalisierte, man habe nun des Rätsels Lösung gefunden. - Und diese erhielt dann auch sogleich den (deutschen) Namen „Joseph Ratzinger“. Doch so reibungslos wie der Prozess auch innerhalb der Wände des Doms seinen Lauf nahm - der Konsens hinsichtlich des neuen Habemus Papam blieb in einigen Ländern und vor allem in deren Medien aus. Freude und Gefühle des Glücks bei den einen gingen mit Empörung und Wut bei den anderen einher.        

 „Wir sind Papst!“

Mit breiter Zustimmung und einem strahlendem Lächeln im Gesicht entgegnete man dem Wahlergebnis in Deutschland. Sondersendungen im deutschen öffentlich rechtlichen Fernsehen mit Fokus auf Herrn Ratzingers Curriculum Vitae überschlugen sich, als ob man an Gedächtnisschwund leiden würde, Bewohner aus seinem Geburtsort bekamen die Eingebung (ob vom Glauben geleitet oder auch nur geschäftlicher Natur sei an dieser Stelle dahin gestellt) kleine Papst-Törtchen zu verkaufen und das Foto des neuen Papstes zierte jedes Titelblatt. Sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung verzichtete diesmal nicht auf eine bildliche Untermalung ihrer Schlagzeile, obwohl seit der World Trade Center Tragödie lediglich zum Tod von Papst Johannes Paul II  ein Foto auf deren Deckblatt ihren Platz fand. Auch die „Financial Times Deutschland“ sowie das „Handelsblatt“ gaben dem Papst als Aufmacher gegenüber aktuell konjunkturellen Meldungen Priorität.

Gewissen Unterhaltungswert lieferte die Bild-Zeitung, die auf ihrer Titelseite pathetisch „Wir sind Papst“ verkündete und somit folglich alle deutschen Staatsbürger zu Stellvertretern Gottes deklarierte.

Not Amused      

Die Bevölkerung Großbritanniens hingegen reagierte auf die Neuigkeiten aus dem Vatikan großteils mit einem kräftigen Stirnrunzeln, das spätestens nach Verbinden des Themas „neuer deutscher Papst“ mit Nationalsozialismus seitens der britischen Presse in Empörung und Wut umschlug. Der Initiator dieser Entwicklung war ein Korrespondent des „Independent“, der nach Traunstein - dem Ort, wo Ratzinger seine Schule besuchte – reiste und sich nach jener Stadtgeschichte erkundigte. Dabei stieß er auf die während Ratzingers Jugendzeit an Juden verübten Nazi-Massaker und kritisierte in seinem kurz darauf verfassten Artikel, dass diese Tatsache vor den Wahlen in der Biographie des Kandidaten nie thematisiert wurde. Nährreichen Boden für die anhaltende Bildung von Angriffen lieferte überdies ein Foto, auf dem Joseph Ratzinger als Flak-Helfer zu sehen ist, welches nun als Hauptargument für die negativ besetzte Berichterstattung britischer Journalisten fungiert. Jenes Bild löste nämlich auf der Insel kontroverse Interpretationen aus, welche letztendlich den Eindruck suggerierten, man könne den Papst darauf als Hitlerjungen identifizieren. Andere angel-sächsische Printmedien schlugen folglich den gleichen Kurs ein, der schließlich zu einer nahezu unmittelbaren Verflechtung des Papstes und den nationalsozialistischen Vergehen führte und darüber hinaus in der Entstehung von nicht angebrachten Schlagzeilen wie „Panzer Papa“ (The Sun), „Panzerkardinal“ (Agentur PA), „Einpeitscher“ (Daily Mirror) und „Gottes Rottweiler“ (Daily Telegraph) resultierte.

Auch die „Daily Mail“ (Auflage 2,5 Millionen) widmete sich in einer hypertrophen Art und Weise dem gegebenen – um nicht verlauten zu lassen: konstruierten – Thema und bot a la Mediashop sozusagen „noch eins drauf“ indem sie im Anschluss an der schriftlichen Auseinandersetzung mit „Papa Ratzi“ einen Artikel mit der Kernfrage „Was wäre wohl gewesen, hätte Hitler England erobert?“ publizierte.  

Kritik der Kritik

Diese Verhaltensweisen britischer Printmedien zog erwartungsgemäß starke Kritik deutscher Diplomaten sowie auch aufgebrachter Katholiken nach sich. Man tat inständig kund, dass jene verfassten Texte keine objektiven Berichte mehr darstellen würden, sondern es sich hierbei eher um eine Darbietung von Wut handele. Im gleichen Zuge erklärte auch Kirchenhistoriker Pfnür die Hintergründe des so umstrittenen Fotos, verurteilte hierbei „die groteske Abstempelung Ratzingers als Nazi“ und betonte diesbezüglich, dass er als 16-Jähriger gezwungen war mit der gesamten Internatsklasse von Traunstein nach München zu gehen und dort in seiner Freizeit zum Dienst in der Abwehr feindlicher Flieger verpflichtet wurde. Fest steht, dass er nie ein Sympathisant des NS-Regimes war und später sogar den Kriegsdienst verweigerte. 

Derart aufgebrachte Reaktionen, die in Großbritannien an den Tag gelegt wurden, werfen nun natürlich auch Fragen nach deren Ursachen auf. Eine der vielen Theorien, die einen Erklärungsansatz für die teils vorhandene Antipathie abgibt, ist, dass die Deutschen, oder „Krauts“ (so wie sie gern im englischsprachigen Raum aufgrund ihrer angeblichen Liebe zu Sauerkraut genannt werden) heutzutage in einigen Fällen immer noch in erster Linie mit dem Schatten ihrer Vergangenheit in Verbindung gebracht werden.

Zwar ist die stabile Demokratie unserer Nachbarn allseits bekannt, aber gerade weil es sich in Punkto Papsttum auch um eine geostrategische Machtposition handelt (man erinnere sich an dieser Stelle an den Fall des Sowjet-Imperiums 1989), scheint es hier wohl zu einer hohen Sensibilität zu kommen, deren Schmerzensgrenze in diesem Kontext zu Recht sehr niedrig ist. Und gerade weil unser neuer Papst eine Person ist, die im unmittelbaren Kontakt mit jener leidvollen Zeit stand, ist eine gewisse Unsicherheit, die jedoch in keiner unbegründeten bzw. aufgrund nicht fundierten Informationen entstandenen Abneigung enden sollte, zunächst durchaus nachvollziehbar.

Traurig allerdings ist, dass ausschließlich „The Times“ (Bezug nehmend auf die auflagen - stärkeren Zeitungen Großbritanniens) dies erkannte und in Joseph Ratzinger einen interessanten Neuanfang sieht. Stützend auf der Kenntnis, dass er den zerstörerischen Effekt einer politischen Religion kennen lernen musste, wird er gerade wegen und nicht trotz seinem „Gestern“ als Verkünder des Glaubens als geeignet empfunden.        

                                                                                                Beata Wasilewski / Mai 2005

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