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Wernisaż wystawy Magdaleny Peszkowskiej / Vernissage von Magdalena Peszkowska - Innsbruck - 12.02.2010 Galerie Sandhofer, Claudiastrasse 10, A-6020 Innsbruck, Tel: +43-650-7283828, mail@galerie-sandhofer.com, http://www.galerie-sandhofer.com |
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Ja, gerade der Flohmarkt und nicht ein Markt, ein Trödelmarkt oder Jahrmarkt. Der Flohmarkt – dieses Wort bringt mit sich die Assoziationen an eine Unberechenbarkeit, an eine Vielfalt, welche erdrückt und blendet. Ein Durcheinander, ungebändigt durch Professionalisierung und Institutionalisierung. Die chaotische Organisation des Raumes eines Flohmarkts ist eine Herausforderung für die traditionelle Einstufung und Ordnung, welche an anderen Verkaufsorten herrscht. Beim Betreten eines Flohmarkts verlieren sehr viele Menschen sogleich die Orientierung, wissen nicht, welche Richtung sie zuerst gehen und wo sie abbiegen sollen. Kein Zeichen ist sicher, nichts verspricht rationale Kontinuität. Alles rundherum greift mit widersprüchlichen Signalen an. Auf einem Flohmarkt zu sein beinhaltet die Fähigkeit des kontrollierten Umherirrens, sich der Intuition, den Gerüchen, dem Zufall und des Erlaubens von Fehlern hinzugeben. Ein überraschendes Element der Szenografie dieses Ortes sind verschiedene Stände: die einfachen und die komplizierteren. Manchmal sind es auch Feldbetten. Gerade auf einem Flohmarkt, an einem Ort wo oft die Ware wenig attraktiv und ausgesucht ist und die größte Phantasie und Originalität sich in der Art, wie sie auf der Erde ausgebreitet wurde, zeigt– auf farbigen Stoffen, auf Kartons, auf Tageszeitungen. Hier werden die Feldbetten als eine praktische und universelle Basis behandelt. In Theorie sollten sie die Mobilität unterstützen, statt dessen verstärkten sie das Gefühl der Einstweiligkeit - jahrelang am selben Platz stehend, aus Geldmangel an Bettstatt täglich benützt. Gleichzeitig hat ihre Konstruktion an ihre „Feld“ Abstammung erinnert – sie waren nicht besonders bequem, schrecklich knarrend und in fast jedem polnischen Haushalt vor der Wende vorrätig. Etwas mit dem Eigenschaftswort „feld“ zu bezeichnen ist also nicht so eindeutig. Man benannte mit ihm auch manche Küchenmodelle, Betten und alle anderen Gebrauchsgegenstände, geschaffen als schnell montierbare Installation, aus billigen Materialien, mit leichter Konstruktion, widerstandsfähig, das oft für das Militär konstruiert wurde. In gewissen Momenten, zur gewissen Zeit wurde Nomadentum ein Teil des Lebens und die erscheinende Ware auf dem Feldbett ist dauerhafter als die Kondition des Körpers, der auf ihm liegt. Die Arbeiten von Magda Peszkowska sind vom Charakter wie ein Archiv von Erinnerungen, welche nach einer Einordnung und einer Rekonstruktion der Zeit der Kindheit verlangen, das intensive Erleben der Zeit mit allem rundherum. Danzig – woher die Künstlerin stammt – wird zu einem mythischen Ort, durch sie in einer unversteckt subjektiven Weise analysiert. Diese Stadt mit einem sehr starken symbolischen in seiner Geschichte steckendem Potenzial, braucht eine Bearbeitung aus einer einzelnen Sicht. Das, womit wir des Öfteren zu tun haben, ist die historische Politik: Jene versucht ein einheitliches Bild mit der Bedeutung solcher Vorkommnisse wie etwa die Entstehung unabhängiger Gewerkschaften zum Beispiel der Solidarnosc von Danzig zu erstellen. Hinsichtlich der früheren Geschichte dieser Stadt versucht man die Bedeutung der Freien Stadt Danzig zu erlangen – welche offen war für andere Kulturen, und in welcher Polen und Deutsche koexistierten. Die Künstlerin stellt die Vergangenheit fragmentarisch da, sie lässt sich von großen Narrationen nicht verleiten, sondern bewegt sich in die Richtung der Intuition und der Emotion. Löcher in Kirchenmauern, zerstörte Getreidespeicher im Zentrum der Stadt und politische Umbrüche in den 80-Jahren verbinden sich mit den Erzählungen der Großeltern, die sich an Krieg und auch private, familiäre Begebenheiten erinnerten. Diese seltsame Mischung begründete das Gedächtnis der Künstlerin, sie kehrt jetzt zu manchen Begebenheiten zurück und findet in ihnen die Kraft der vielseitigen Erfahrung. Magdalena Peszkowska verwendet ihre eigenen Fotos oder solche aus dem Familienalbum. Sie überträgt sie auf graue Felddecken und Feldbetten. Das Material ihrer Basis ist ergraut, vergilbt und ermüdet. Die schwarz-weißen Fotografien schauen ein bisschen so aus, als wären sie aus einer Zeitung ausgeschnitten, momentan malerisch verwaschen, wirken sie mit großen Flächen von gradienten Grau, es erscheinen auch alle Falze und Verunreinigungen, die auf dem Abzug sichtbar waren. Auf vielen von ihnen sind Gestalten aus dem engsten Kreis Peszkowskas, oft ist es sie selbst, ihre Familie oder ihr nahe stehende Orte in Danzig. Im Zyklus „Koc“ (Decke) sind sie von einer Filzfläche umgeben, die man mit Wärme und Energie assoziiert. Eines der charakteristischsten Bilder zeigt ein Paar mit seitlich erhobenen Händen, ähnlich wie die Pose des Kreuzigens, mit seitlich geneigtem Kopf treten sie vor dem Hintergrund kaum erkennbarer Gebäude auf, das sich als ein System aus Gittern durch die Länge des Bildes zieht. Es ist der „Zieleniak“ – das kultigste Hochhaus in Danzig, eines der wenigen, das schon Ende der 60-Jahre entstand. Ein Symbol der Modernität erdrückt das Paar, sie scheint sich unter dem Druck des Gewichtes des Massivs zu beugen. Motive, die auf ihren Werken erscheinen, sind sozusagen Aussichten der Erinnerung, und die Gestalten Erscheinungen, dessen Spiegelungen sich plötzlich auf dem Stoff offenbaren. Das weinende Mädchen, das mit hängenden Beinen am Klo sitzt, ein Hunderudel, Eltern mit Kindern, ein Fußballplatz umgeben von Bäumen – das alles schafft ein Puzzle aus Elementen, welches die abgeschriebene Identität nach Jahren noch bezeichnet. Diese Arbeiten – Variationen zum Thema der Fotografie – scheinen eine Begründung zu suchen. Der Untergrund, auf welchem sie abgebildet sind, erlaubt es ihnen, dass sie zu etwas anderem werden – eine Sache, die man zurückgeben und mit anderen teilen kann. Vielen Menschen bedeuten die Erinnerungen einer ihnen fremden Person nichts, für andere wiederum besitzen sie ein unglaubliches Potenzial – genauso wie etwas unvollständiges und benütztes, was uns gelingt auf einem Flohmarkt zu ergattern, etwas was charakteristisch ist für den Autor/Designer/Vorbesitzer der Ware, den wir wahrscheinlich nie kennen lernen werden. Denn die Ware besitzt sich so wie das Gedächtnis nicht selbst, sondern spricht die Sprache ihrer Produzenten oder des Autors. Sie bedeuten in sich selbst nichts, sind dafür eine wunderbare Spiegelung von uns selbst. Denn das Formen des Gedächtnisses nach dem Muster der Ordnung, wie wir sie vom Flohmarkt kennen, erlaubt uns sich von beschränkenden Schemata zu befreien und sich ins Unbekannte wagen. |
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